London
Mittwoch, 5. März 2008
heut lang geschlafen. ich war so schrecklich müde und drohte ernsthaft krank zu werden. dazu verbringe ich die anstehenden zwei nächte auf dem fußboden; komme also sowieso früher in die stadt..
Der TOWER. 14 pfund eintritt! – eintritt in ein stillgelegtes gefängnis. glitzer-kronen. noch besser: an glitzer-kronen vorbei gefahren. ja! rollbänder, wie im terminal, oder im kaufhaus. nicht stehenbleiben, nicht verdächtig werden, nicht verstopfen. es fehlen die preisschilder.
weiter gab’s im ‘White Tower’ eine umfangreiche ausstellung, die sich ausschließlich den ‘königlichen waffen’ widmet. sozusagen den symptomen unzähliger morde: (pferde)rüstungen, repräsentative kinderrüstungen(!), pistolen, dolche, schwerter, alles was das imperialistische kriegerherz wünscht. – eine wahre wonne hingegen ist die kapelle im zweiten stock. angeblich die älteste der stadt, aus dem 11. jahrhundert. durch und durch romanisch. ausgerechnet sie ist als durchgang ‘getarnt’ und unterschätzt. die leute nehmen laufend eines ihrer dämlichen handy-fotos auf und sind verschwunden. an eine wand gelehnt genieße ich den raum. mir ist ganz wohl. alles reinlich, gedrungen, urtümlich strahlend. zwischen den dicken mauern und trotzigen fensterlöchern lukt die nachmittags sonne freundlich durch die gelb-lilafarbenen scheiben.
°die sonne scheint also vor sich hin und aus dem sprichwörtlichen ‘grauen von einst’ wurde eine touristenattraktion. in ein paar jahrhunderten von der einen menschlichen perversion zur anderen. ich mittendrin. eine (zeit)reise zu menschlichen schattenseiten für nur lächerliche 14 pfund. schnäppchen.
der vollständigkeit halber gehe ich an ST. PETER vorbei. doch schon von ferne sehe ich den neuzeit-schrott und verschwinde vorsorglich in der nächsten U-bahn. Richtung
WESTMINSTER ABBEY. 17.00 soll dort eine abendandacht stattfinden. in der bahn sehe ich einen richtigen arbeiter. großer englischer mann, mit ehering und werkzeugkoffer. wir verfolgen uns bis westminster. denn erst nach einigem verfahren komme ich auch dort an. spaziere neugierig zwischen den grabmalen umher, sehr darauf bedacht keine der bodenplatte zu treten. lausche dem englisch der andacht und dem gesang gegen ende dieser. als hiernach jedoch die rede auf eine gott kommt, der ’so oft abwesend ist, in afghanistan, jerusalem -er nennt noch mehr orte aus den abendnachrichten- da türme ich.
auf dem weg zurück zur bahn, fliegen mir mehrere augen zu. als ich aus der STATION EMBANKMENT wieder auftauche, dunkelt es bereits. die häuser türmen sich rechts und links übereinander, große menschenmengen tümmeln sich die anhöhe herauf und herab. ich vergesse wohin ich will und lasse mich von dieser tänzelnden, bunten schlange verschleppen.
ein junger kerl redet mich an: er sei von ’sight-saver’. ich lass mich hinreißen: er kramt seinanhalter-reisen-deutsch heraus. ich glaubte es ginge ihm um leute, die ’sights’ ’saven’. also aufpasser, die etwa ’sights’, wie dem mann auf der säule, spucker oder pinkler fernhalten.. -es handelt sich, entgegenmeiner spontan erblühten fantasie, um ‘afrika’, ‘kinder’, ‘umwelt’, ‘reis’ -derartiges.
zweimal abgebogen, stehe ich auf dem trafalgar und vor der NATIONAL GALLERY, meinem ziel. hier erwarten mich einige aus dia-projektionen wohlvertraute schätze. (…) 21.00 schließt die galerie und ich muss hierher unbedingt zurück. mir ist schlecht von zu vielen gummibärchen. anstatt der londoner ‘oranienburger’ auf den leim zu gehen, kämpf’ ich mich lieber durch pommes, snickes und co.
laufe zum LEICETER SQUARE, weiter zu COVENT GARDEN. eine wunderbare ecke. viel leben, viele junge menschen, viel leuchtkram, viele pubs, cafés. ich besuche eine überaus raffinierte supermarkt-kette ‘marks&spencer’. dann mit der bahn heim. zeit für kinski.
°die mädchen tagen, nun gut, recht kurze röcke. aber, entgegen der berlinläufigen meinung, anstelle eines erhofften progressive-style, doch eher seehr ‘unerwartete kombinationen’. die männer gefallen mir immer besser. sie sind kräftig, haben aufmerksame augen und machen keinen hel daraus, wenn ihnen eine gefällt. sie scheinen alle verliebt.
°außerdem sind die londoner ungewohnt freundlich: an der kasse, bei den zeitungen, in der bahn: immer ein kleiner wortwechsel. ein entschuldigen beim anrempeln. aufmerksam, ungezwungen und ohne argwohn. (an dieser stelle: schöne grüße nach berlin)
Habe ein paar Rechtschreibfehler gefunden.
Was nun?
hehe… Grüße vom Brüderchen